Sonntag, 27. April 1997

Side 1997

In der Zeit um Ostern war ich noch nie in der Türkei und so entschied ich mich diesmal dorthin zu reisen. Leider erwischte ich ein kaltes Jahr. Am Flughafen in Antalya hatte es bei meiner Ankunft nur 11 Grad und die Bauern jammerten, weil im vergangenen Winter so viele Pflanzen erfroren waren. Der Himmel war meistens bewölkt, doch wenn er aufklarte, schickte die Sonne warme Strahlen herunter. Meine Unterkunft war das Hotel Club Belinda in Kumköy, das bei Side liegt. Kumköy bedeutet Sanddorf, was wohl an dem für die südtürkische Riviera ungewöhnlich sandigen Strand lag. Da kein Badewetter herrschte, war ich viel unterwegs. Kumköy war ein kleines Dorf, das außer ein paar Geschäften und Restaurants nicht viel zu bieten hatte. So fuhr ich mit dem Dolmus nach Side. Dort gibt es ein antikes Stadion, das aber in schlechtem Zustand und deshalb für Besucher gesperrt war, was mich aber nicht daran hinderte, einfach hineinzuklettern. Es war wirklich eine sehr schöne Arena und es wäre ein Frevel, wenn man dieses Schmuckstück dem Verfall überlassen würde. Hinter dem Stadion befanden sich auf einem großen Areal die Überreste einer Tempelanlage. Dort war alles übersichtlich und akurat sortiert. In der Ortschaft selbst gab es viele Geschäfte und freundliche Menschen, die jetzt in der Vorsaison noch nicht vom Touristenrummel gestreßt waren. In einem Reisebüro buchte ich einen Ausflug nach Pamukkale, der zwei Tage lang dauern sollte.
Früh morgens ging es mit dem Bus hinauf ins Taurusgebirge, wo noch Schnee lag. Unterwegs wurde eine alte Brücke besichtigt, die wegen ihrer Bauweise in Zickzack-Form auffällig war. Dann ging es weiter nach Korkuteli, wo die dortige Moschee besichtigt wurde. Später hielt der Bus an einem Nomadenzelt, in dem ich einen Tee serviert bekam und die Nomadenkinder beim Spielen mit den jungen Ziegen beobachtete. Mittags war ich in Yesilova am Salda Gölü, dem tiefsten See der Türkei, und ließ mir einen gegrillten Fisch schmecken. Unterwegs fand dann noch die ausführliche Begehung einer verlassenen Karawanserei statt, bevor die Ruinenstadt Hierapolis erreicht wurde. Es war wirklich beeindruckend, welche Größe diese altertümliche Ortschaft hatte und wie viele Kunstschätze hier versammelt waren. Nach einer längeren Besichtigung ging es weiter nach Pamukkale, was übersetzt etwa "Baumwollschloß" bedeutet. Es ist ein echtes Naturwunder, dieses weiße Gebilde am Hang eines Berges. Ich war an der Quelle, aus der zu jeder Jahreszeit warmes Wasser strömt. Dort übernachtete ich in einem Hotel, das über eine Therme verfügte und badete abends darin. Das Hotel war in keinem guten Zustand, denn es wurde wie alle anderen Gebäude, die in die Nähe der Warmwasserquellen gebaut wurden, kurz nach meiner Anwesenheit abgerissen, um diese weltweit einzigartigen Sinterterrassen nicht weiterhin zu beschädigen. Nach einem unterhaltsamen Abend mit Bauchtanz und Musik schlief ich friedlich ein. Am nächsten morgen spazierte ich nochmals durch diese bizarre Landschaft bevor es zur Roten Quelle weiterging, die nicht weit davon entfernt lag. Dort konnte man Schmuckstücke oder andere metallene Gegenstände ins Wasser halten, um sie dann kurz darauf säuberlichst gereinigt wieder zu entnehmen. Danach ging die Fahrt weiter nach Denizli. In der Nähe der Stadt befindet sich eine große staatliche Teppichmanufaktur, die natürlich besucht werden mußte. Ausführlich wurde die Entstehung eines handgeknüpften türkischen Teppichs vorgeführt. Das fing an bei der Herstellung von Seide, ging über Gewinnung von Naturfarben und um die Färberei bis hin zu den Knüpftechniken und Qualitätsmerkmalen der Teppiche. Anschließend wurden von stolzen Türken die schönsten Stücke präsentiert. Danach ging es zielstrebig auf dem kürzesten Weg zurück nach Side. Wenige Tage später fuhr ich mit dem Dolmus einige Kilometer nach Osten in die Stadt Manavgat. Dort schlenderte ich durch die Stadt und besuchte den Markt. Hier konnte man ziemlich günstig einkaufen, denn es war alles billiger als in der Touristenhochburg Side. Nicht einfach war es, ein Geschäft zu finden, das Zigaretten der Marke Bafra führte, doch ich ließ nicht locker bis ich eine Schachtel in der Tasche hatte. Am Ufer des Manavgat-Flusses trank ich noch ein Glas Cay und fuhr dann wieder zurück nach Kumköy.
Der nächste Ausflug führte zuerst nach Aspendos, wo es ein altes antikes Theater zu besichtigen gab. Die große Arena befand sich in einem sehr guten Zustand und wurde immer noch für Veranstaltungen genutzt. Danach ging die Fahrt nach Perge, einer antiken Stadt. Massenhaft standen dort meisterhaft verziehrte Steinsäulen, Überreste von Tempeln, Türmen und anderen Gebäuden, Mosaikfußböden oder die Rundbögen eines Viadukts. Ganz in der Nähe gab es auch noch ein halb zerfallenes Dampfbad zu besichtigen, das ein wenig Einblick in das Luxusleben der reichen Römer verschaffte. Im weitern Verlauf des Ausflugs war ich später am Düden Selali, einem idyllischen, grünen Flecken. Die Attraktion war eine Höhle, die hinter dem Wasserfall hindurchführte und aus der man eine beeindruckende Aussicht und eine einzigartige Geräuschkulisse geboten bekam. Ringsum befand sich ein schön angelegter Park. Danach fuhr ich nach Antalya, das ich seit fast zwanzig Jahren nicht mehr besucht hatte. Ich war sehr überrascht, als ich sah, daß aus dem kleinen Fischerdorf eine Großstadt geworden war. In der Altstadt hatte sich nicht viel verändert, doch die Gegend um den Hafen wurde modernisiert. Im Stadtkern ist Antalya immer noch sehr schön und es herrscht fast die Stimmung wie einst. Nach einem ausgiebigen Bummel landete ich in einer Schmuckmanufaktur und betrachtete dort allerlei Kunsthandwerk. Zum Abschluß besichtigte ich noch den Alexander-der-Große-Wasserfall, der mit einem mordsmäßigen Getöse bei Antalya über die hohen Klippen ins Meer stürzt. An einem anderen Tag reiste ich mit einem Bus nach Alanya. Unterwegs besichtigte ich die Alarahankarawanserei neben der Alarafestung und rastete am Manavgat-Wasserfall. In Alanya ging es zuerst über enge und steile Serpentinen hinauf zur Burg. Ich besichtigte alles und hörte Anekdoten und Geschichten aus alten Zeiten. Als ich wieder unten war, schipperte ich auf einem Motorboot vom Hafen aus an der römischen Werft vorbei um den Burgberg mit seinen bekannten Höhlen herum. Danach ging es ins Ortszentrum, wo an jenem Tag der Wochenbasar stattfand. Ich finde es immer wieder lustig und aufregend, mit den Händlern zu feilschen und den Trubel zu beobachten. Am Abend besuchte ich noch eine Tropfsteinhöhle bei Alanya, die wegen ihrer Luft im Inneren von Menschen mit schwachem Herzen besser gemieden werden sollte. Auf dem Rückweg nach Side sah ich noch, daß fast alle Bananenpalmen im strengen Winter erfroren waren.
Zum Abschluß meines Urlaubs unternahm ich noch eine Bootsfahrt von Manavgat aus den Fluß hinunter bis zu seiner Mündung ins Meer und wieder zurück.

>> Fotos: Türkei

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