Sonntag, 9. Juni 1996

Port El Kantaoui 1996

Diese Reise fand in der Zeit um Pfingsten statt und war für mich in vielerlei Hinsicht eine Premiere. Nachdem ich bislang immer der Nase nach als "Rucksacktourist" mit Bahn, Bus oder Auto durch die Gegend tourte, sollte es diesmal eine Pauschalreise mit dem Flugzeug sein. Außerdem betrat ich den afrikanischen Kontinent und im Speziellen Tunesien zum ersten Mal. Das Angebot war sehr günstig, was aber den Haken hatte, daß der Abflug in München und die Ankunft in Frankfurt war. Um zwei Uhr nachts wurde ich abgeholt und per Transfer zum Münchener Flughafen gebracht, von wo aus ich mich an Bord einer Boeing 727 in die Lüfte erhob. Es war schon hellichter Tag, als ich die Alpen überquerte und von meinem Ausblick aus dem Fenster des Flugzeugs fasziniert war.
Nach ungefähr zwei Stunden landete ich in Monastir und wurde von dort aus mit einem Bus nach El Kantaoui gebracht. Die Fahrt ging durch Sousse und nicht weit davon entfernt lag mein Zielort mit dem Hotel El Mouradi, in dem ich wohnte. Es war erstaunlich, welch französische Sitten sich die Köche und Kellner angeeignet hatten. Jede Speise war ein Gaumenschmaus und der Rotwein war auch nicht zu verachten.
So vergingen einige Tage, an denen ich faulenzte und schlemmte und kaum das sehr schön angelegte Hotelgelände verließ. Wenn ich am Strand lag und aufs Meer hinausblickte, sah ich öfters ein großes Segelschiff, das mich an Piraten erinnerte. Mit solch einer Nußschale wollte ich eigentlich auch schon immer in See stechen...
Eines Tages spazierte ich zum Hafen, der nicht allzu weit entfernt von meinem Hotel lag. Dort ankerten unzählige Yachten und - ich konnte es kaum glauben - solche Piratenschiffe, wie ich sie schon seit Tagen vom Strand aus beobachtet hatte. Port El Kantaoui ist eine ziemlich neue Ortschaft, die rings um den Hafen angelegt wurde. Zwar sehen die verwinkelten Gassen oder das Eingangstor zum Hafen aus wie Relikte aus alter Zeit, doch es wurde alles nur nachgebaut - das allerdings nicht schlecht. Ich besichtigte alles, kaufte mir reife und frische Früchte und kam abends mit Plattfüßen zurück ins Hotel. Bald danach kam es für mich zu einer weiteren Premiere, denn ich nahm an einer Karawane teil und saß zum ersten Mal auf dem Rücken eines Kamels. Es war angenehm und beruhigend, so durch die Gegend zu schaukeln und ich dachte, daß die arabische Musik wohl bei solch einem Ritt erfunden wurde. Es ging durch eine teilweise sehr spärlich bewachsene Landschaft zu einer kleinen, ländlichen Töpferei und zu einem Kamelbrunnen, der noch in Betrieb war. Den größten Teil der Karawane machten die Kamele aus, doch es bestand auch die Möglichkeit, die Reise auf einem Pferd, einem Esel oder in einer Kutsche fortzusetzen. Ich verließ bis auf eine Etappe nicht den Rücken meines Wüstenschiffes und bemerkte erst später im Hotel nach einem brennenden Schmerz, daß ich mir ein Stück Fleisch aus dem Hintern geritten hatte.
Kurz darauf wurde ich zu einem Gourmetessen eingeladen. Vielleicht bin ich ein Kostverächter, doch ich muß zugeben, daß mir das normale Essen besser geschmeckt hat.
Beim nächsten Spaziergang rund um den Yachthafen wollte es der Zufall, daß in dem Moment eines jener Segelschiffe ablegte und ich noch mitfahren konnte. Es war ein Traum! Wie mit Piraten stach ich in See und das Schiff schaukelte bei jeder kleinen Welle. Nach ungefähr einer Stunde war die Hälfte der Passagiere blaß und ziemlich still. Gottlob wurde ich nicht seekrank, so daß ich den Ausflug genießen konnte. An Bord gab es leckeren gegrillten Fisch mit Salat. Weit draußen auf hoher See wurde geankert und geangelt. Wer einen Fang gemacht hätte, wäre mit einer Flasche Rotwein beglückt worden, doch Petri Heil war keinem vergönnt.
Nach diesem Abenteuer verbrachte ich noch ein paar ruhige Tage und bei meiner Abreise war ich beeindruckt von der gepflegten Gastlichkeit in diesem Land. Leider war mein Urlaub zu kurz. Gerne hätte ich noch mehr gesehen, doch das Flugzeug brachte mich nach Frankfurt, von wo aus ich mit der Bahn zurück in meine Heimat fuhr.
>> Fotos: Port El Kantaoui

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