Im vorjährigen Winter blühte in Nervenruh's Zuhause ein prächtiger Ritterstern (siehe Eintrag vom 30. Januar 2011). Er sollte auch
heuer wieder zum Leben erwachen und abermals die düstere, kalte Jahreszeit mit
seinen Trompetenkelchen verschönern. Man richtete ein Augenmerk darauf, dass
die Pflanze bei einer Zimmertemperatur von 18°C bis 20°C gedeihen konnte,
schnitt nach der Blütezeit die verwelkten Teile samt Stiel ab, goss häufiger,
um die Entwicklung der Blätter zu fördern, platzierte sie den Sommer über im
Garten an einem halbschattigen Platz, stellte im August jegliche Pflege ein,
damit das Laub verdorren und die Ruhephase beginnen konnte, bewahrte die
Zwiebel an einem kühlen Ort in der trockenen Erde auf, topfte sie im November
um, begann im Dezember wieder zu gießen und wartete darauf, dass der Ritterstern
abermals mit seinen mächtigen Trompetenkelchblüten die anderen Zimmerpflanzen
in den Schatten stellt und uns mit seiner bunten Pracht den trostlosen Winter
verkürzt. Die Freude war groß, als die vertrocknete Blumenzwiebel tatsächlich
grün austrieb. Doch alles, was das Gewächs bot, waren zwei Blätter. Sonst
nichts. Darum besorgte sich Nervenruh einen neuen Ritterstern. Diesmal handelt
es sich um eine andere Sorte mit einer dickeren Zweibel und Blütenstängeln, aus
denen jeweils zwei große, rote Kelche, die fast schon an Lilien erinnern,
wachsen. Im Moment zeigt die Pflanze ihre ganze Pracht.Montag, 6. Februar 2012
Ritterstern
Im vorjährigen Winter blühte in Nervenruh's Zuhause ein prächtiger Ritterstern (siehe Eintrag vom 30. Januar 2011). Er sollte auch
heuer wieder zum Leben erwachen und abermals die düstere, kalte Jahreszeit mit
seinen Trompetenkelchen verschönern. Man richtete ein Augenmerk darauf, dass
die Pflanze bei einer Zimmertemperatur von 18°C bis 20°C gedeihen konnte,
schnitt nach der Blütezeit die verwelkten Teile samt Stiel ab, goss häufiger,
um die Entwicklung der Blätter zu fördern, platzierte sie den Sommer über im
Garten an einem halbschattigen Platz, stellte im August jegliche Pflege ein,
damit das Laub verdorren und die Ruhephase beginnen konnte, bewahrte die
Zwiebel an einem kühlen Ort in der trockenen Erde auf, topfte sie im November
um, begann im Dezember wieder zu gießen und wartete darauf, dass der Ritterstern
abermals mit seinen mächtigen Trompetenkelchblüten die anderen Zimmerpflanzen
in den Schatten stellt und uns mit seiner bunten Pracht den trostlosen Winter
verkürzt. Die Freude war groß, als die vertrocknete Blumenzwiebel tatsächlich
grün austrieb. Doch alles, was das Gewächs bot, waren zwei Blätter. Sonst
nichts. Darum besorgte sich Nervenruh einen neuen Ritterstern. Diesmal handelt
es sich um eine andere Sorte mit einer dickeren Zweibel und Blütenstängeln, aus
denen jeweils zwei große, rote Kelche, die fast schon an Lilien erinnern,
wachsen. Im Moment zeigt die Pflanze ihre ganze Pracht.Sonntag, 29. Januar 2012
Post von Costa
Bislang nahm Nervenruh an zwei Kreuzfahrten der Costa Crociere S.p.A. teil. Zum einen im Jahr 2005 auf der Costa Victoria, zum anderen 2008 auf der Costa Classica. Beide Reisen liefen ohne Zwischenfälle ab. Jetzt, nach dem Kentern der Costa Concordia vor Giglio,
erreichte ihn ein undatierter Brief, abgesandt von der deutschen Niederlassung
Costa Kreuzfahrten, Am Sandtorkai 39, 20457 Hamburg. Der Wortlaut:
Sehr geehrter Herr Nervenruh,
in diesem schweren Moment liegt es mir sehr am Herzen, mich
persönlich an Menschen wie Sie zu wenden, die uns als Mitglied des Costa Clubs
schon seit Längerem ihre Nähe und ihr Vertrauen zeigen.
Der schreckliche Unfall der Costa Concordia hat das
getroffen, was uns am meisten am Herzen liegt: unsere Gäste, unsere Mitarbeiter,
eines unserer herrlichsten Schiffe. Wir sind zutiefst erschüttert über die
Leiden, Ängste und Unannehmlichkeiten, die diese Menschen erfahren, und über
den Schmerz der Angehörigen der Opfer.
In aller Welt sind etwa 1.100 Mitarbeiter von Costa
Kreuzfahrten ohne Pause mit den Folgen dieses schrecklichen Unfalls
beschäftigt, indem sie die Rettungsaktionen unterstützen und den Gästen sowie
der Besatzung helfen, nach Hause und zu ihren Familien zurückzukehren.
Dieses dramatische Ereignis, das allem Anschein nach
ausschließlich durch einen menschlichen Fehler verursacht wurde und sich
niemals wiederholen darf, hätte nicht geschehen dürfen.
In dieser schwierigen Lage erleben wir, mit welcher Opferbereitschaft
Mitglieder unserer Besatzung ihre eigene Sicherheit hinter die von anderen
stellen. Wir haben gesehen, dass sich die Besatzung wirklich lobenswert
verhalten hat, denn unter extrem schwierigen Bedingungen ist es ihr - trotz der
schrecklichen Situation, in der sich alle befanden - gelungen, innerhalb
kürzestmöglicher Zeit über 4.000 Menschen zu evakuieren. Auf diese
Einsatzbereitschaft sind wir stolz, so wie auf unser Engagement für Ihre
Sicherheit.
Wer uns kennt, weiß, dass Costa Kreuzfahrten in voller
Einhaltung aller Sicherheitsvorschriften arbeitet und dass seine
Managementverfahren den internationalen Standards entsprechen, diese teilweise
sogar übertreffen.
Allen Mitgliedern unserer Besatzungen wurde eine
Spezialausbildung für den Umgang mit Notfällen und die Unterstützung der Gäste
im Fall einer Evakuierung des Schiffs zuteil. Jedes Mitglied unserer
Besatzungen verfügt über eine spezifische Zertifizierung (BST - Basic Safety
Training) und wird in Schiffsevakuierungsübungen geschult, die regelmäßig alle
zwei Wochen stattfinden. Positionen, Verantwortlichkeiten und Aufgaben sind
klar definiert und zugeteilt, damit im Notfall richtig reagiert werden kann.
Außerdem wird die Ausbildung der Besatzungen von Costa
Kreuzfahrten auch regelmäßig von der Küstenwache und von unabhängigen
Prüfgesellschaften in Bezug auf die Einhaltung der Anforderungen des
SMS-Systems (Safety Management Systems) geprüft.
Für alle Gäste, die sich auf Kreuzfahrten befinden, wird
entsprechend den gesetzlichen Vorschriften innerhalb von 24 Stunden ab dem
Einschiffungstag eine Übung durchgeführt. Costa Kreuzfahrten verfügt über ein
Computersystem, mit dem kontrolliert werden kann, ob alle Gäste an dieser Übung
teilgenommen haben.
Zur Gewährleistung maximaler Sicherheit stehen außerdem auf
allen Costa-Schiffen Schwimmwesten, Rettungsboote und Flöße zur Verfügung,
deren Anzahl über der Anzahl aller Personen, die sich auf dem Schiff befinden
können, liegt. Die Rettungsboote sind mit Sicherheitsausstattungen wie Wasser-
und Essensvorräten, Erste-Hilfe-Kästen und Signal- sowie Kommunikationsgeräten
ausgestattet, die garantieren, dass in aller Sicherheit auf Hilfe gewartet
werden kann. Die Rettungsboote werden zudem regelmäßig sorgfältigen Kontrollen
durch das Schiffspersonal und Prüfgesellschaften unterzogen. Alle Schiffe von
Costa Kreuzfahrten sind RINA-zertifiziert und werden mit modernsten
Technologien und nach höchsten Standards gebaut.
Wir sind uns der Verantwortung bewusst, die wir denjenigen
gegenüber haben, die uns ihr Vertrauen schenken. Die vielen
Sympathiebekundungen, die wir in diesen Tagen von Gästen erhalten, die auf
unseren Schiffen gereist und unseren Mitarbeitern begegnet sind, sind uns in
diesem Moment Ermutigung und Trost.
Auch Ihr Vertrauen zu behalten und Sie hoffentlich erneut
bei uns an Bord begrüßen zu dürfen, sind uns Ansporn und Belohnung für all
unsere Anstrengungen.
In Dankbarkeit,
Pier Luigi Foschi
Chairman & CEO Costa Cruises
Mittwoch, 25. Januar 2012
Rhythmus des neuen Europa
Gerrit Engelke wurde am 21. Oktober 1890 in Hannover geboren. Sein Vater wanderte 1904 nach Amerika aus. Nach der Volksschule begann der spätere Arbeiterdichter eine Lehre und absolvierte die Gehilfenprüfung im Maler- und Lackierergewerbe. 1910, als Mutter und Schwester seinem Vater in die Neue Welt folgten, blieb er in Hannover, betrieb umfangreiche Mal- und Zeichenstudien und begann zu schreiben. Als nahezu Mittelloser führte er ein umfangreiches Bücherverzeichnis mit über vierhundert Bänden, heimste zwei Preise der Hannoverschen Kunstgewerbeschule ein, verkaufte Zeichnungen und Aquarelle an das Museum August Kestner und schrieb und schrieb. 1915 wurde er zum Militär einberufen, kämpfte an allen Fronten und starb dennoch in den letzten Kriegstagen am 13. Oktober 1918 in Frankreich in einem britischen Lazarett. Aus seinem Nachlass stammt der Gedichtband „Rhythmus des neuen Europa“, den Jakob Kneip 1921 bei Diederichs herausgab. Kostprobe:
Blut-Strom
Pochend, pochend, fort und fort
Treibt die Lebensgas-Maschine.
Pochend, pochend, fort und fort.
Treibt im Kreis die Herz-Turbine:
Durch das Lungen-Schwammgekräuse,
Durch des Hirnes Labyrinth-Gehäuse,
Durch die Leber-, Nieren-Schleuse,
Durch der Nährungs-Adern Vielkanäle:
Blutes roten Fluß. –
Weiter fließt der Fluß:
Schmilzt mit Lava-Glut die Aderschäle
Wellend, schwellend, fort und fort:
Springt als Ton: als Schrei, als Wort
In die Straßen-Dissonanz-Choräle,
Geht als Meter-Schritt auf Pflastersteinen,
(Tausendteiliger Druck von Allen Beinen)
Wächst als Arbeits-Griff, als Händedrücken
In das armgetürmte Steinhausblock-Gewirr,
Saust als Peitschenhieb auf Lastpferd-Rücken,
Schwillt als sichtbarwachsend Werk aus Werk-Geschirr.
Pochend, pochend, fort und fort
Treibt im Kreis die Kraft-Maschine,
Pochend, pochend, fort und fort
Treibt im Kreis die Herz-Turbine:
Blut durch Leib- und Stadt-Atom. –
Fließt und fließt der warme Strom:
Fließt als Licht aus Bogenlampen:
Zischt als »Fertig-Pfiff« von Hochbahn-Rampen:
Schwerer Qualm aus Bahnsteighallen:
Kaufgeschwirr aus Warenhallen:
Stundenschall vom Kirchenturm:
Fließt als Wort vom Telefunken-Turm:
Wellend, schwellend, fort und fort. –
Siebzehn blutdurchdrängte Straßen-Stunden
Voller Lärm und Arbeits-Drang,
Siebzehn rotdurchströmte Körper-Stunden,
Siebzehn Kreislauf-Stunden lang:
Pocht und treibt die Herz-Turbine. –
Dann stellt die Alles-Hand
Die Saug- und Speimaschine,
Den Hebelschaft
Auf zehntel Kraft.
Es ruht das Kraftgewelle eine Nacht.
Doch früh beim Sechs-Uhr-Morgen-Pfiff
Verstellt die Hand mit großem Griff:
Das Herz- und Stadt-Getreib auf volle Macht.
Montag, 23. Januar 2012
Die Talentschmiede
Borussia Mönchengladbach - Bayern München: Die Fohlen hatten
den Österreicher Martin Stranzl in ihren Reihen, der seinerzeit als 16-jähriger
vom SV Güssing zu den 60ern wechselte und dort zum Profi wurde. Der FC Bayern hatte
keine Chance.
VfL Wolfsburg - 1. FC Köln: Ebenfalls im Alter von 16 Jahren
stieß Marcel Schäfer von Viktoria Aschaffenburg zum TSV 1860 und erlangte dort
Bundesligatauglichkeit. Klar, dass der VfL, für den der achtmalige
Nationalspieler seit 2007 tätig ist, das Spiel für sich entscheiden konnte.
Hamburger SV - Borussia Dortmund: Bereits als Fünfjähriger
kam Moritz Leitner vom FC Unterföhring zu den Löwen, die er Ende 2010 als
Vollprofi verließ. Sven Bender war dreizehn, als er von der SpVgg Unterhaching
in die 60er-Schule eintrat. Beide absolvierten für die Blauen ihre ersten
Ligaspiele und stehen mittlerweile beim Deutschen Meister unter Vertrag. Die
logische Konsequenz: Ein hoher Sieg gegen den HSV.
Bayer Leverkusen - Mainz 05: Lars Bender wechselte
seinerzeit mit seinem Zwillingsbruder Sven zu 1860, wo er ebenfalls zum
Bundesligaprofi reifte. Er erzielte den entscheidenden Treffer gegen Mainz.
TSG Hoffenheim - Hannover 96: Peniel Mlapa war acht Jahre
alt, als er den FC Unterföhring verließ und seine Stiefel für die Sechzger
schnürte. Dort entwickelte er sich zum Berufsfußballer, bevor er 2010 nach Hoffenheim
ging. Mlapa wurde vorzeitig ausgewechselt, das Spiel endete 0:0.
SC Freiburg - FC Augsburg: Stefan Reisinger und Simon
Jentzsch absolvierten zwar mehrere Spiele für den TSV 1860, kommen aber nicht
aus der Talentschmiede der Löwen. Sie waren bereits vorher Profis. Anders
Daniel Baier, der im Alter von 15 Jahren begann, die 60er-Schule vom Jugend- bis zum Bundesligaspieler zu durchlaufen. Im Spiel gegen Freiburg nahm
ihn der Augsburger Trainer in der zweiten Halbzeit vom Platz, was sich für ihn
bitter rächen sollte. Nach dem Wechselfehler von Jos Luhukay verlor der FCA in
den Schlussminuten 0:1.
In den restlichen drei Begegnungen stand kein vom TSV 1860
München ausgebildeter Spieler auf dem Platz.
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