Mittwoch, 1. September 2010

Lieber Sommer

Das, was Du uns heuer geboten hast, war Deines Namens nicht würdig. Wir stellen uns das anders vor. Zugegeben, im Juli hast Du dermaßen übertrieben, dass man sich schon am Rande der Sahara wähnte. Aber was dann folgte, spottet jeder Beschreibung. Niederschlagsmengen von durchschnittlich 160 Litern pro Quadratmeter haben normalerweise im August nichts zu suchen. Dass Du zu den zehn wärmsten Sommern seit 1881 gehören sollst, möchte man angesichts des ewig grauen Himmels kaum glauben. In den Alpen liegt gebietsweise bereits Schnee. Wenn Du so weiter machst, wollen wir Dich nicht mehr. Bitte, versöhne Dich wieder mit uns. Sprich doch mal mit Deinem Bruder, dem Herbst. Vielleicht kann der gerade biegen, was Du verbockt hast.

Donnerstag, 26. August 2010

Paradiesgarten

Nachdem die Bayerische Regenzeit endlich eine Pause einlegte, stiegen die herbstlichen Temperaturen wieder etwas an. Die Sonnenblumen strahlen um die Wette. Wir sind mitten in der Erntezeit. Auch der Holzkohlegrill wird wieder angefacht. Was gibt es Schöneres, als umrandet von Pflanzen und beschallt vom lustigen Gezwitscher der Singvögel mitten im Garten zu dinieren, sich den lauen Wind um die Ohren säuseln zu lassen und anschließend gesättigt auf die Liege zu fallen? So könnte es ewig bleiben...

Montag, 16. August 2010

4′33″

John Cage, einer der einflussreichsten Komponisten des 20. Jahrhunderts, schrieb mehr als zweihundertfünfzig Werke. Sein bekanntestes Stück dürfte das am 29. August 1952 vom Pianisten David Tudor uraufgeführte 4′33″ sein. Es ist in drei mit „Tacet“ überschriebene Sätze gegliedert. Auf BBC wurde die Komposition am 16. Januar 2004 zum ersten Mal im Rundfunk gesendet und gleichzeitig das erste Mal von einem Orchester gespielt. Es wirft Fragen bezüglich der Definition von Musik und Interpretation auf. Das Publikum klatschte enthusiastisch.
Da im Juli 2002 „A One Minute Silence“ dem Komponisten Mike Bett eine Klage wegen Plagiarismus einbrachte, die erst nach einem außergerichtlichen Vergleich und der Zahlung einer sechsstelligen Entschädigungssumme fallen gelassen wurde, verzichtet Nervenruh hier an dieser Stelle auf die Veröffentlichung seiner Version für Gitarre solo.
Damit die Musikfreunde unter uns nicht ganz leer ausgehen: 4′33″ for piano.

Freitag, 6. August 2010

Roh-mantische Genüsse

„Roh-mantische Genüsse“ ist der Titel eines aufwendig gestalteten Büchleins, das Interessierten kostenlos von Keimling, dem Fachgeschäft für Vollwerternährung, zugesandt wird. Der Herausgeber Winfried Holler wurde bereits im Alter von 14 Jahren begeisterter Befürworter von Natur- und Vollwertkost mit hohem Rohkostanteil. Er übernahm 1984 den Naturspeiseladen „Kernbeißer“ in Buxtehude und nannte ihn „Keimling“. 1989 gründete er Deutschlands ersten Versand für Roh- und Naturkost. 2008 wurde er Förderer der Rohkostmesse „Rohvolution“. Mit dem nun vorliegenden Rezeptbuch soll eine genussvolle, abwechslungsreiche und gesunde Lebensweise dargestellt werden. Der Untertitel „10 Spitzenköche verführen Sie mit ihren rohköstlichen 4-Gänge-Menüs“ ist etwas irritierend, da Rohkost - wie der Name schon sagt - nicht gekocht wird. Nach einem Vorwort, dem Inhaltsverzeichnis und einigen Erläuterungen zu den Gerichten gibt es einen äußerst aufschlussreichen Artikel über die Sprossenzucht. Danach folgen die Rezepte der zehn in alphabetischer Reihenfolge sortierten „Köche“, die auch beschreiben, wie sie zur Rohkost kamen, womit sie aktuell beschäftigt sind und was sie zu ihrem jeweiligen Menü, das auch noch kurz erläutert wird, inspiriert hat. Die vier Gänge bestehen aus Vorspeise, Zwischengang, Hauptspeise und Nachspeise. Alle Rezepte sind klar und verständlich beschrieben und mit einer Zutatenliste versehen. Die fertigen Gerichte wurden ansprechend von Jens Vollmer und Sandra Gärtner fotografiert. Schon beim Durchblättern des Büchleins kommt der Appetit! Natürlich wird der Leser auch mit allerhand Reklame konfrontiert, was bei einem kostenlosen Printmedium nicht verwundern sollte. Die Werbung ist jedoch weder übermäßig häufig noch schrill platziert oder themenfremd. Die „Roh-mantischen Genüsse“ sind auf jeden Fall eine Bereicherung und sollten in keiner Küche fehlen.